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Dienstag, 15.05.2007

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Ziele/Strategien
Strategien gegen illegale Filmnutzung
(Berlin, im Mai 2006) Auch wenn die Filmwirtschaft seit Beginn der Kampagne „Raubkopierer sind Verbrecher“ im November 2003 bereits Erfolge gegen die illegale Filmnutzung verbuchen konnte, ist die Gefahr noch längst nicht gebannt. Daher ziehen weiterhin alle Verbände, Unternehmen und Organisationen an einem Strang und haben auch für 2006 ein umfassendes Maßnahmenpaket aus Strafverfolgung, neuen technischen Entwicklungen, Aufklärung und Marktforschung geschnürt.

1. Zivil- und Strafrechtliche Verfolgung
Im Jahr 2005 konnten große Erfolge im Kampf gegen Raubkopien errungen werden. So hat die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen e.V. (GVU) mit „Flatline (FTL)“ am 20. April 2005 eine Top-Gruppe der deutschen Raubkopier-Szene zerschlagen, die Filme oftmals bereits vor dem deutschen Kinostart in sehr guter Ton- und Bildqualität im Internet verfügbar machte. In den Wohnungen der führenden Köpfe der deutschen „Release Group“, die unter den Tarnnamen („nicknames“) „MrB“ und „Slymer“ operierten, wurde umfangreiches Beweismaterial festgestellt.

Zudem führte die GVU im Jahr 2005 konzertierte Aktionen im Bereich der Massenmärkte für Raubkopien durch. Im Visier standen insbesondere Auktionshäuser wie eBay, Peer-to-Peer-Netzwerke und Websites, die illegalen Content zum Download anbieten, aber auch der Offline-Bereich wie Flohmärkte. Im Rahmen des so genannten Projektes „Massendelikte“ wurden Angebote aus über 50 Internet-Auktionshäusern ausgewertet. Waren nach strafrechtlicher Würdigung definierte Bedingungen erfüllt, erfolgte bei geringfügigen Verstößen eine Löschung des Angebotes nach Aufforderung der GVU (so genannte VERI-Löschung) oder das strafrechtliche Vorgehen bei qualifizierten Verstößen. Insgesamt wurden im Jahr 2005 1.641 VERI-Löschungen bei eBay initiiert (2004: 286) und nach durchgeführten Ermittlungen 463 Strafanträge (2004: 135) gestellt.

Aber auch die einzelnen Verbände sind sehr aktiv: So organisiert der Interessenverband des Videotheken- und Medienfachhandels e.V. (IVD) in Deutschland Flohmarkt-Screenings und führt Mitarbeiter-Schulungen zum Thema Film-Raubkopien durch. Auch der Bundesverband Audiovisuelle Medien e.V. (BVV) setzt hier an und beobachtet nicht nur einschlägige Websites, sondern geht auch juristisch gegen auffällige Uploader und Websites, die illegalen Film-Content anbieten, vor. Zudem besinnen sich viele Unternehmen ihrer Selbstverantwortung und verfolgen auf zivilrechtlichem Wege und mit Hilfe von Detekteien sowie internen Rechercheabteilungen Verstöße gegen das Urheberrecht.

2. Technische Forschung und Sicherheitschecks
Bei einem Pressetermin am 12. Juli 2005 wurden die aktuellsten Neuerungen des vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Publikations- und Informationssysteme entwickelten digitalen Wasserzeichens vorgestellt, das die Rückverfolgung der Quelle von Raubkopien ermöglicht. Die Forschung ist mittlerweile so ausgereift, dass ein Einsatz des Wasserzeichens internationaler Standard werden könnte. Insbesondere wurde getestet, ob das Wasserzeichen hörbar ist. Ergebnis: Selbst an leisen Stellen des Films ist dies nicht der Fall. Bei den Tests zeigte sich zudem, dass sich das digitale Wasserzeichen als äußerst robust erwies – sowohl bei digitalen als auch analogen Testaufnahmen und auch bei verschiedenen Komprimierungsverfahren. Getestet wurde in den unterschiedlichsten Aufnahmesituationen wie beispielsweise im Kino. Ergebnis: Die Technologie funktioniert einwandfrei. Nun soll geprüft werden, wie eine effektive internationale Infrastruktur zur koordinierten Suche aufgebaut werden und die Einbindung filmtechnischer Betriebe optimal erfolgen kann. „Wir gehen davon aus, dass es schon sehr bald gelingen wird, das Verfahren breit einzusetzen und damit die Aufklärungsquote für Raubkopien weiterhin stark zu steigern“, sagt Johannes Klingsporn, Geschäftsführer des Verbandes der Filmverleiher e.V. (VdF).

Weitere Maßnahmen gegen den Filmklau sind der Einsatz von Kopierschutzmaßnahmen bei DVD-Veröffentlichungen und die strenge Überwachung der einzelnen Schritte der Film-Verwertung von der Post-Produktion bis zur Auswertung im Kino. Auch im Kino selbst wird gegen das Abfilmen vorgegangen: So gibt es Prämien für Mitarbeiter, die Abfilmer entdecken.

3. Aufklärung
Eine wichtige Rolle spielt weiterhin die Aufklärung. Dabei steht im Jahr 2006 vor allem das Internet im Visier der Kampagne, das in der Raubkopier-Szene eines der wichtigsten Hilfsmittel bei der Verbreitung und Beschaffung von illegalen Filmkopien ist. So machen mittlerweile zwei so genannte virale Spots am Tatort „Internet“ auf die für die Kampagne bekannte humorvoll-drastische Weise deutlich: Raubkopierer können sich auch im Internet nicht verstecken. Parallel dazu ist für die Sommermonate eine neue Promotion geplant, die an die Thematik des „Sich-Nicht-Verstecken-Könnens“ anknüpft.

Neben der populären Kampagne „Raubkopierer sind Verbrecher“ startete die Zukunft Kino Marketing GmbH im August 2005 die Bildungsinitiative „RESPE©T COPYRIGHTS“. Auf der dazugehörigen Website, www.respectcopyrights.de, können sich Lehrer und Eltern kostenlos ein Unterrichtspaket downloaden, das auf sehr neutrale Art und Weise über die Problematik des Film-Raubkopierens aufklärt. Zudem besteht die Möglichkeit, eigene Unterrichtsvorschläge hochzuladen und sie damit Dritten zugänglich zu machen. „Mit der Initiative RESPE©T COPYRIGHTS haben wir letztendlich auf die Bedürfnisse des Bildungssektors reagiert. Uns hatten immer wieder Lehrer und Polizeidienststellen angesprochen, ob wir Lehr- und Anschauungsmaterialien zum Thema Film-Raubkopien liefern können“, erklärt Jan Oesterlin, Geschäftsführer der Zukunft Kino Marketing GmbH.

Des Weiteren informiert die Kampagne „RESPE©T COPYRIGHTS“ seit Mai 2005 bei eBay auf einer so genannten Informationsseite, die direkt über die Hauptkategorie „Filme & DVDs“ zu erreichen ist, rund um das Thema-Filmraubkopien. Der Verbraucher findet dort nützliche Tipps, wie man illegale Film-Kopien identifiziert, wie man sich davor schützt und wo man sie melden kann.

Aber auch intern hat die Filmwirtschaft die Wichtigkeit von Aufklärung und Weiterbildung erkannt und entsprechende Maßnahmen umgesetzt. So erhalten Mitarbeiter von Kinos und Videotheken Informationsmaterialien zu den Regelungen des deutschen Urheberrechtsgesetzes. Des Weiteren werden sie darüber aufgeklärt, was bei einem Verstoß gegen dieses zu tun ist und welche wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen die illegale Filmnutzung nach sich zieht.

Auch die GVU betreibt intensive Aufklärungsarbeit. Seit Jahren hält sie im Rahmen von Schulungen und Seminaren bei deutschen Strafverfolgungsbehörden erfolgreich Vorträge, bei denen mit den Teilnehmern – darunter Richter, Staatsanwälte, Kriminal- und Zollbeamte – urheberrechtliche Problemstellungen diskutiert werden. 

4. Legale Online-Angebote
Eine weitere Strategie im Kampf gegen das Raubkopieren besteht in dem Angebot von legalen Download-Alternativen im Internet. So startete am 12. April 2006 mit in2movies, einem Joint Venture zwischen Warner Bros. Entertainment GmbH und arvato mobile, die erste deutschsprachige Download-to-own-Plattform für Spielfilme und TV-Serien. Dort können sich interessierte Nutzer nun Filme rund um die Uhr direkt auf den Computer laden und anders als bei dem bislang bekannten Video-on-Demand dauerhaft behalten.

5. Marktforschung
Um den Markt zu verstehen und das Ausmaß der Schäden einschätzen zu können, betreibt die deutsche Filmwirtschaft intensive Marktforschung. Ein Beispiel dafür ist die jährlich erscheinende repräsentative „Brennerstudie“ der Filmförderungsanstalt (FFA), die 2005 zum vierten Mal durchgeführt wurde. Ein wesentliches Ergebnis der Studie : Insgesamt ist die Anzahl der illegalen Downloads von 2004 auf 2005 angestiegen. So luden im ersten Halbjahr 2005 1,7 Mio. Personen 11,9 Mio. Filme herunter – dies entspricht einem Plus von 16 %. Angesichts der weiter verbesserten technischen Ausstattung in den bundesdeutschen Haushalten ist der Anstieg unterproportional. So können laut Brennerstudie fast 65 % der Deutschen (64,4 %) privat einen Internetzugang nutzen. Nur noch 30 % von ihnen nutzen ein analoges Modem, 66 % ISDN und DSL. Fast ein Viertel der Internetuser (23,6 %) verfügen über eine Flatrate. 48,4 % der Breitband-Anschlüsse werden zusammen mit einer Flatrate verwendet.

Ein weiteres positives Ergebnis der aktuellen Brennerstudie: Die Bekanntheit der Kampagne „Raubkopierer sind Verbrecher“ konnte gegenüber Juli 2004 von 18 auf 31 % deutlich gesteigert werden. In der Kernzielgruppe der 20- bis 29-Jährigen lag der Wert im August 2005 sogar bei 64 % (2004: 41 %). Ein weiteres interessantes Ergebnis: Das Unrechtsbewusstsein bei den Kennern der Kampagne ist im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung deutlich erhöht.

Quelle: Filmförderungsanstalt (FFA), August 2005. Befragungszeitraum: Januar bis Juni 2005. Schriftliche Befragung innerhalb des GfK-Media*Scope Panels. 10.000 Personen, repräsentativ für 63,8 Millionen private, deutsche Personen ab zehn Jahren. Die detaillierte Studie ist als PDF-Datei unter http://www.ffa.de abrufbar.

Teaser

Zitat Teaser
"Das Recht auf eine Raubkopie ist genauso schwachsinnig wie das Recht auf einen Zweitwagen!"
- Bodo Schwartz, Vorstandsvorsitzender der GVU
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