Fragen & Antworten
Fakten statt Vorurteile
Wieso setzen Sie nicht auf legale Online-Angebote wie von vielen Seiten gefordert?
Legale Angebote - wie z.B. in der Musikindustrie - gibt es ja auch in der Filmwirtschaft mit dem wachsenden Zweig des Video on Demand wie z.B. arcor.de, one4movie.de oder maxdome.de. Zudem gibt es mittlerweile auch legale Angebote, bei denen man Filme dauerhaft erwerben kann – so genannte Download-to-Own-Plattformen.
Ist es nicht nur Interesse an Gewinnmaximierung, wenn die Filmindustrie gegen Raubkopierer vorgeht?
Leider muss die Filmindustrie durch Raubkopien und illegale Filmnutzung hohe Schäden von mehreren hundert Millionen Euro pro Jahr hinnehmen. Es geht daher nicht darum, Gewinne zu steigern, sondern überhaupt in die Gewinnzone zu gelangen. Dabei ist das Interesse nicht rein eigennützig: Schließlich hängen Tausende von Arbeitsplätzen vom wirtschaftlichen Erfolg der Filmbranche ab.
Die angeblich verursachten Schäden sind oft schwer zu überprüfen, und kaum zu messen. Wie kommen Sie denn an die Zahlen?
Bei den Zahlen handelt es sich um Schätzungen der deutschen Filmbranche und der GVU, die ausgehend von vorliegenden Studien, langjährigen Erfahrungswerten und branchenübergreifenden Vergleichen vorgenommen wurden. Leider ist es nicht möglich, konkretere Schadenssummen zu beziffern, da diese umfangreiche Marktanalysen über einen versteckten – eben illegalen Markt erfordern würden. Auf dem Schwarzmarkt werden keine Auskünfte über Abverkaufszahlen erteilt, keine Geschäftsberichte veröffentlicht oder Konsumgüterforschung im herkömmlichen Sinne betrieben.
Die „Available for Download (AFD)“-Studie liefert allerdings Daten über die Verfügbarkeit illegal kopierter Filme im Internet und den Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung. (Weitere Informationen: [email protected])
Einerseits wollen Sie nicht kriminalisieren, andererseits stellen Sie Raubkopierer als Verbrecher dar. Wie passt das zusammen?
Es geht nicht darum, die breite Bevölkerung zu kriminalisieren. Mit der drastisch-humorvollen Darstellungsweise der Spots und Print-Motive möchten wir erreichen, dass Raubkopierer sich der Illegalität ihres Handels bewusst werden und ihr Verhalten kritisch hinterfragen und ändern. Wir zeigen die Folgen von kriminell organisiertem Raubkopieren und verdeutlichen so: Das, was Du da tust, ist Diebstahl von urheberrechtlich geschützten Werken und damit illegal. Wir wissen, dass die unsere Werbemittel und Endverbraucheraktionen Aufsehen erregen. Aber das ist gut so, denn die illegale Nutzung von Filmen muss auch stärker und kontrovers diskutiert werden.
Sie sagen, Sie wollen nicht die breite Bevölkerung kriminalisieren. Wie passt der Slogan "Raubkopierer sind Verbrecher" ins Bild?
Spots und Motive zeigen die Strafandrohung für gewerbliches Raubkopieren. Der "normale" User von illegalen Filmangeboten kann und soll auch nicht darunter fallen. Wir müssen hier scharf differenzieren: Denn für uns gibt es a) die Nutzer von legalen Filmangeboten, also Personen, die regulär ins Kino gehen, DVDs kaufen oder ausleihen, etc. b) die Nutzer von kopierten DVDs und illegalen Filmangeboten, beispielsweise aus Tauschbörsen, etc. c) und die Raubkopierer, also kriminell organisierte Personen oder Personenkreise, die das Raubkopieren gewerblich betreiben. Außerdem möchten wir an dieser Stelle noch einmal betonen: Das Wort "Verbrecher" benutzen wir umgangssprachlich und nicht im Sinne der Legaldefinition des StGB.
Wie passt das "Nicht-kriminalisieren-wollen" mit dem scharfen Ton der Kampagne zusammen?
Der Ton der Kampagne ist bewusst deutlich gewählt. Bisher haben Verständnis suchende Kampagnen nichts bewirkt. Daher müssen wir laut und deutlich unsere Stimme erheben, um das Thema illegale Filmkopien in das öffentliche Bewusstsein zu rücken und zu diskutieren.
Warum schafft es die Industrie nicht, wirksame Gegenmaßnahmen zu ergreifen, damit Quellen von Raubkopien zurückverfolgt werden können?
Die Sicherheit hat in allen Stufen der Filmauswertung zugenommen. Beispielsweise entwickelte das "Fraunhofer-Institut für Integrierte Publikations- und Informationssysteme" im Auftrag der Filmwirtschaft und Filmförderungsanstalt ein optimiertes Verfahren zur Quellen-Rückverfolgung bei gefundenen Raubkopien. Die neuen Technologien helfen, Raubkopierer einfacher identifizieren zu können.
Meinen Sie nicht auch, dass qualitativ gute Filme sich trotz Raubkopien durchsetzen werden?
Gute Filme werden sich im Kino durchsetzen. Aber die Frage ist: Werden sie auch wirtschaftlich erfolgreich sein? Faktisch entstehen durch illegale Filmnutzung große Einbußen. Viele Personen werden einfach nicht mehr ins Kino gehen, nachdem sie sich eine Raubkopie angesehen haben. Genauso wie die allerwenigsten noch DVDs ausleihen oder kaufen, wenn sie auf Raubkopien zurückgreifen können. Damit ist das Modell der Filmauswertung in seinen Grundfesten erschüttert.
Entziehen Raubkopierer nicht nur schlechten Filmen die Grundlage?
Leider nein, die Zahlen zeigen deutlich: Allen Produktionen wird die Erfolgsgrundlage entzogen. Unter Raubkopien leiden Blockbuster genauso wie kleinere Produktionen. „James Bond. Casino Royale“ war beispielsweise genauso betroffen wie „Deutschland. Ein Sommermärchen“ oder „7 Zwerge. Der Wald ist nicht genug“.Dem "kleinen Mann" werden empfindliche zivilrechtliche Strafen angedroht. Warum gibt es keine Großinitiative gegen gewerbliche Raubkopierer?
Auch die gibt es. So agiert die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen e.V. (GVU) in enger Zusammenarbeit mit der Polizei und Staatsanwaltschaft überaus erfolgreich gegen Raubkopierer. Darüber hinaus engagieren sich die Verbände insbesondere gegen gewerbliche Raubkopierer z.B. mit zivilrechtlichen Klagen oder durch Raubkopien-Screenings auf Flohmärkten.
Glauben Sie wirklich, dass Ihre Kampagne Raubkopierer abschreckt?
Wir gehen nicht davon aus, dass die Kampagne die organisierten Raubkopierer erreicht. Diese sollen mit Unterstützung der GVU durch die Polizei gefasst werden. Hier helfen in der Regel leider keine Argumente mehr. Die Kampagne will aber erreichen, dass der Endverbraucher sich der Illegalität seines Handelns bewusst wird und sein Verhalten kritisch hinterfragt und ggf. ändert, bzw. das Verhalten anderer einzuschätzen vermag.
Meinen Sie nicht, dass die Justiz Besseres zu tun hat, als sich mit solchen Bagatell-Delikten zu beschäftigen?
Es wäre schön, wenn wir beim illegalen Downloaden und Kopieren von Filmen von Bagatell- oder Kavaliersdelikten sprechen könnten. Die Realität zeigt aber: Längst haben kriminell organisierte Banden Raubkopien als lukrative Einnahmequelle entdeckt. Es gibt sogar professionelle Produktionsstätten im In- und Ausland und strategische Überlegungen zu Absatzkanälen.
Der Musikindustrie entstehen Milliarden Verluste und dies trotz öffentlicher Diskussion um die Legalität von Tauschbörsen. Was führt Sie zu der Annahme, dass es im Filmgeschäft anders laufen wird?
Die Kampagne ist nur Teil einer umfassenden Strategie. Wir schnüren ein komplettes Maßnahmenpaket, das illegale Film-Nutzung eindämmen und organisierten Filmraub bekämpfen soll. Dazu gehört u.a. eine erhöhte Sicherheit in allen Stufen der Filmauswertung, Aufklärungsarbeit sowie zivil- und strafrechtliche Maßnahmen.
Bei nicht strafrechtlicher Verfolgung: Glauben Sie wirklich, dass Privatpersonen dadurch ihr Verhalten ändern?
Straf- und zivilrechtliche Ahndung von Urheberrechtsverletzungen ist immer der letzte Schritt. Wir hoffen aber, dass unsere Kampagne auch weiterhin viele Leute wachrüttelt und die öffentliche Diskussion anregt.
Wie wollen Sie die Anonymität des Netzes umgehen, ohne selbst bestehende Rechte zu verletzen?
Ganz klar: Wir bewegen uns natürlich nur in einem Rahmen, den der Gesetzgeber vorgibt. Die Einhaltung dieser vorgegebenen Regeln ist uns sehr wichtig. Aber innerhalb dieses Rahmens werden und müssen wir alle Möglichkeiten ausschöpfen, um gegen illegale Filmnutzung vorzugehen.Hacker werden Sicherheitsexperten und Virenschreiber teilen ihr Wissen mit Antiviren-Softwareherstellern. Sollte man den Raubkopierern nicht dankbar sein, dass sie Sicherheitslücken aufdecken?
Das Problem ist: Die illegalen Filmkopierer decken keine Sicherheitslücken auf. Sie treten ja nicht an die Studios/Verleiher heran, und zeigen auf, wo Sicherheitslücken zu finden sind. Vielmehr stellen sie einfach ihre Angebote ins Netz oder verkaufen/verbreiten sie im Offline-Bereich.
Sind die Verluste durch Raubkopien nicht marginal, im Gegensatz zu den Verdiensten beim Merchandising eines Films?
Vom Merchandising profitieren nicht unbedingt die Leute, die an der Produktion eines Films beteiligt sind, sondern die Lizenzinhaber. Hier muss also von Fall zu Fall untersucht werden, ob sich eine Filmproduktion tatsächlich für die Verantwortlichen gerechnet hat oder nicht.Was passiert mit minderjährigen Raubkopierern, die Kopien auf dem Schulhof oder an Freunde verkaufen?
Die Kampagne zitiert die Strafandrohungen des Urheberrechts, die bei schwer wiegenden Verletzungen des Urheberrechts greifen, zudem gilt für Jugendliche natürlich das Jugendstrafrecht. Wir wollen Kinder und Jugendliche nicht kriminalisieren, sondern ihr Verhalten im Umgang mit urheberrechtlich geschütztem Material ändern. Insofern werden diese erst einmal nicht belangt, sondern wir versuchen, sie in einem ersten Schritt wachzurütteln und Verständnis für den Wert geistigen Eigentums zu generieren. Von RESPE©T COPYRIGHTS, der „Schwesterkampagne“ von „Raubkopierer sind Verbrecher“ wurden eigens für die Aufklärungsarbeit im edukativen Bereich Unterrichtsmaterialien erstellt, die unter www.respectcopyrights.de zum kostenlosen Download hinterlegt sind.
Wenn ich mir eine Leer-CD oder -DVD kaufe, zahle ich auch eine Urhebergebühr mit, also habe ich auch das Recht zum Kopieren.
Urheber haben das ausschließliche Recht zur Nutzung ihrer Werke. Der Gesetzgeber setzt diesem ausschließlichen Recht gewisse Schranken. Diese dürfen aber die reguläre Auswertung eines Filmes nicht wesentlich beeinträchtigen. Die Tatsache, dass illegale Filmkopien in großem Umfang angefertigt werden, zeigt, dass Raubkopieren leider ganz wesentlich Urheberrechte beeinträchtigt und verletzt.Ist ein Recht auf Information nicht grundgesetzlich garantiert?
Das ist richtig, aber nicht ein Recht auf kostenlose Information. Sonst hätte jeder ein Recht zum kostenlosen Kinobesuch, zum Diebstahl einer Zeitung, einer Musik-CD oder eines Buches.Die Investitionen in Film-Produktionen sind immens hoch. Warum wird hier nicht Geld gespart, beispielsweise durch Kürzung der Millionen-Gagen der Filmstars?
Kino ist ein arbeitsteiliger Prozess. Die Produktion startet mit dem Drehbuch und endet mit der fertigen Filmkopie. Zahlreiche Stufen sind zwischengeschaltet u.a. Synchronisationsstudio, Sprecher, Kopierwerke, Filmspediteure, Kinos mit Kassierer, etc. Manchmal leben – zumindest temporär – Tausende von Menschen für und von einem Film. Daher ist es nicht damit getan, den Schauspielern ihre Gagen zu kürzen. Ganz im Gegenteil: Oft sind die Schauspieler Garant für einen internationalen Erfolg und ermöglichen überhaupt die Beschäftigung all dieser Leute. Übrigens: In letzter Zeit verzichten viele Schauspieler auf die fixe Millionengage und werden lieber mit einem bestimmten Prozentsatz des Erlöses beteiligt.Wie sieht die rechtliche Lage bei Musikvideos aus: Darf ich Musikvideos aus den Tauschbörsen downloaden? Die werden ja auch bei den Musiksendern gezeigt.
Auch wenn Musikvideos auf MTV und VIVA besonders oft gespielt werden, ist man nicht berechtigt, diese Musikvideos aus dem Internet zu laden. Denn das Angebot im Fernsehen ist eine legale Nutzung, für die Musiksender auch bezahlen, so dass die Beteiligten (Künstler, Beleuchter, Drehbuchautoren, Techniker, etc.) auch eine Bezahlung bekommen (wird abgerechnet über die GEMA). Für den Download würden die Künstler indessen leer ausgehen. In Tauschbörsen gibt es faktisch keine legale Nutzung (ausgenommen Nachwuchsgruppen, die ihre Songs kostenlos zur Verfügung stellen).
Darf ich TV-Serien downloaden? Beispielsweise wenn diese nicht als Kauf-DVD erhältlich sind und auch nicht mehr im TV gezeigt werden?
Der Umstand, dass eine Serie nicht als DVD erhältlich ist, führt leider nicht dazu, dass man sich selber diese DVD aus dem Internet laden darf. Anders ist es natürlich, wenn diese TV-Serien legal – also von einer autorisierten Site – angeboten werden. Nachfolgend eine einfache Faustregel, um legale und illegale Angebote zu unterscheiden: Man muss sich immer fragen, ob der Rechteinhaber sein Einverständnis dafür gegeben hat, dass der Film bzw. die Musik im Internet angeboten wird.
Warum sind die DVD-Preise so hoch, obwohl die DVD doch in der Herstellung viel billiger ist als eine VHS-Kopie?
Eine DVD bietet ganz besonderen Genuss für die Filmunterhaltung zu Hause. So können nicht nur einfach der Film oder die Serien abgespult werden, sondern es gibt zahlreiche Extras, beispielsweise die Wahl verschiedener Sprachen, ein „Making-of“, „Take-outs“. Es gibt also zusätzliches Material, das Sie für Ihr Geld bekommen. Außerdem kommen zu den reinen Produktionskosten die Marketingkosten hinzu. Und schließlich müssen sich DVDs auch im Verleih rechnen: War ein Video nach dem 200sten Mal Abspulen qualitativ nicht mehr einwandfrei und musste ersetzt werden, so finden Sie bei der DVD keinen Unterschied zum ersten Gebrauch. Dadurch werden natürlich weniger DVDs als Videos verkauft. Dies muss in geringem Maße über den Preis kompensiert werden. Und: Eine DVD kostete im Jahr 2007 durchschnittlich nur noch 12,72 Euro – ein Preis, der durchaus moderat ist, wie wir finden.
