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Berlin, 5. Mai 2004. Nemo geht Raubkopierern nicht mehr so schnell ins Netz.
Denn seit der weltweit größten Razzia Mitte März 2004 in Deutschland befinden
sich die Raubkopierer, die Erstveröffentlichungen von aktuellen Kinofilmen
verantworteten, geschlossen in Haft.
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Der raue Wind für Raubkopierer ist deutlich spürbar: Mitte März wurden
deutschlandweit 800 Wohnungen, Firmenräume und Rechenzentren durchsucht und es
kam zu zahlreichen Verhaftungen. Aber nicht nur die Release-Groups, die
deutsche Versionen aktueller Kinofilme produzierten, sind den Fahndern ins Netz
gegangen. Auch deren gesamte Vertriebs- und Verbreitungsstruktur konnte
aufgedeckt werden. Mittlerweile lässt das harte Vorgehen gegen Raubkopierer
sogar die ersten Warez-Groups - d.h. Zusammenschlüsse von Personen, die den
illegalen Download organisieren - aufgeben.
Weniger Raubkopien im Netz
Durch die Fahndungserfolge der letzten Zeit gibt es weniger Film-Raubkopien im
Internet. Branchen-Insider schätzen sogar, dass sich das Angebot um mehr als 50
% verringert hat. Dazu lässt die Qualität von Filmraubkopien stark nach,
insbesondere der Ton ist qualitativ minderwertig. Mittlerweile versuchen
Raubkopierer durch obskure Mittel, wieder an Ton und Film zu gelangen. So
konnten u. a. Personen gestellt werden, die in einem Autokino den Ton
mitschneiden wollten. Aber auch die "klassische" Variante, das Abfilmen und
Ton-Mitschneiden im Kino, ist wieder verstärkt zu beobachten. Kinos reagieren
darauf mit verstärkten Sicherheitsvorkehrungen. Zusätzlich setzt zum Beispiel
die Cinestar-Gruppe auf Anerkennung für aufmerksame Angestellte: Mitarbeiter,
die einen Raubkopierer beim Abfilmen entdecken, werden mit 500 Euro belohnt.
Ein deutlicher Beweis dafür, dass Raubkopien doch Einfluss auf die legalen
Verkaufsstrukturen von Filmen haben, zeigt das Beispiel Videofachhandel. "In
manchen Videotheken sind seit der Razzia von Mitte März 2004
Verkaufssteigerungen von bis zu 50 % zu beobachten", so Michael Panknin,
stellvertretender Bundesvorsitzender des Interessenverbandes des Video- und
Medienfachhandels in Deutschland e.V. (IVD).
Illegales Filmmaterial nur noch gegen Bezahlung
Die Vertriebsstrukturen von Film-Raubkopien haben sich ebenfalls stark
gewandelt. "Waren vor einigen Monaten die Peer-to-Peer-Netzwerke klarer
Vorreiter für den illegalen Download, sind jetzt offensichtlich viele Anbieter
von illegalem Filmmaterial der Meinung, dass das hohe Risiko sich auch
finanziell lohnen muss", erklärt Dr. Elke Esser, Geschäftsführerin der Zukunft
Kino Marketing GmbH. "Portale, die Downloads von illegalem Filmmaterial gegen
Entgelt anbieten, sind ganz klar auf dem Vormarsch." Dabei sind die Beiträge
oftmals gestaffelt und werden entweder in Abo-Form monatlich oder wöchentlich
fällig oder richten sich nach Donwload-Volumen und Zeitraum des Zugangs. Die
Anbieter solcher Portale setzen auf dubiose Praktiken zur Verkaufsförderung:
Zum Beispiel wirbt ein Portal mit einem "sehr gut"-Siegel, das dem
Stiftung-Warentest-Prüfsiegel zum Verwechseln ähnlich sieht. Erst bei genauerem
Hinsehen wird deutlich, dass es sich um die - nicht existierende - Stiftung
Downloadtest handelt. Juristische Mittel gegen diesen Anbieter wurden bereits
eingeleitet.
Knast on tour
Das entschlossene Vorgehen gegen Film-Raubkopierer wird auch weiterhin durch
die Kampagne "Raubkopierer sind Verbrecher - eine Initiative zum Schutz des
Originals" mit neuen Aktionen unterstützt. So geht ab Sommer eine mobile
"Raubkopierer sind Verbrecher"-Knastzelle auf Deutschland-Tour. Hier haben
Interessenten die Möglichkeit, fünf Minuten im Leben eines Raubkopierers
nachzuleben - in einer authentischen Gefängniszellen-Nachbildung.
Prominente Unterstützung
Auch namhafte Regisseure sprechen sich mittlerweile offen gegen Raubkopien aus.
So macht Roland Emmerich deutlich: "Ich finde, Filme brauchen einen passenden
Rahmen: die große Leinwand. Nicht nur, dass Raubkopien einer ganzen Industrie
mit sämtlichen Zulieferern schaden, eigentlich tut man sich selbst keinen
Gefallen. Denn wer will wirklich Filme wie ,The day after tomorrow' auf einem
17-Zoll-Bildschirm sehen? Mit Raubkopien beraubt man sich selbst um das Kino-
und Filmerlebnis."
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"Wenn Ideen nicht geschützt werden, lohnt es nicht mehr, welche zu haben." |
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- Dr. Andreas Kramer,
Geschäftsführer Hauptverband Deutscher Filmtheater e.V. |
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